Quelle:Geschichte der Stadt Freiheit. Zur Eröffnung des Heimatmuseumsim Jahre 1927.

Mühle

vom † Stadtsekretär Bernard Hampel

Der Stadt Freiheit gehörte, wie bereits erwähnt, seit jeher die sogenannte Stadtmühle; die Stadt vergab sie in Erbpacht, sodass die Mühle nicht auf Stadtkosten, sondern durch den Pächter in Betrieb und baufest gehalten wurde. Das zur Mühle gehörende Wasserstauwehr wurde auf Kosten der Gemeinde erhalten, dagegen oblag die Erhaltung des Gebäudes, Mühlwassergrabens, Mühlwerkes usw. dem jeweiligen Mühlpächter. Der emphyteutische Mühlenbesitzer war verpflichtet, außerdem einen Weg bei der Mühle und einen Weg beim Wasserbette (Mühlgraben), beide Wege zum Aupaflusse führend, zu gestatten.

An Zins hatte der Mühlbesitzer alljährlich zu errichten :

An die Stadtgemeinde 20 Strich Weizen und 25 Strich reines Korn,
dem Pfarrer in natura zehn Strich Metzgetreide,
der Herrschaft Wildschütz 16 ¼ Strich Metzgetreide,
dem hiesigen Magistratsdiener vier Strich Metzgetreide.

Mit dem kaiserlichen Patente vom 07. September 1848 und vom 04. März 1849 wurden im ganzem Lande diese emphyteutischen Eigentumsrechte abgeschafft und der damalige Müllermeister Johann Wahl erlegte bei der k. k. Grundentlastungs-Bezirkskommission in Hohenelbe, wo diese Behörde amtierte, den Betrag von 80 fl, mit welcher Ablösungssumme sämtliche Rechte und Gerechtsamen, sowie der ganze Besitzstand mit Garten in dessen unbeschränktes Eigentum überging.

Sonach war Johann Wahl, Müllermeister in Freiheit Nr. 93, der letzte Erbpächter der Stadtmühle und zugleich der erste private Eigentümer derselben. Der Sohn desselben, ebenfalls Johann Wahl, gelangte 1905 in eine derartige Notlage, dass über dessen Besitz und Vermögen der Konkurs verhängt wurde.

Aus diesem Konkurse ging die Stadtmühle samt Grundzubehör in den Besitz der Firma P. Piette, Papierfabrik in Marschendorf I., über. Die Mühle samt der in einem späteren Anbau errichteten Teppichweberei, später Trockengarnspinnerei, wurde vom Besitzer, dem Schwager des Johann Wahl dem Fabrikanten Franz Wojtechovsky, einige Jahre im Pachte belassen; nach Ablauf des Pachtvertrages vom Besitzer selbst übernommen. Die Betriebe und Gewerke wurden entfernt und das Anwesen zu einer Villa umgebaut, welche derzeit vom Großindustriellen Ludwig v. Piette mit seiner Familie bewohnt wird.

So nahm diese Jahrhunderte alte Stadtmühle, welche so viel Generationen und Schicksale überstanden hat, ihr Ende und damit ein großes Stück Poesie des alten Bergstadtls Freiheit.


Das Dörrhaus

vom † Stadtsekretär Bernard Hampel

Unter Nr. 115 besaß die Gemeinde am rechten Aupaufer ein Flachsdörrhaus, welches nach einem Umbau später als Armenhaus benutzt wurde. Anlässlich des Hochwassers im Jahre 1897 wurde dieses Haus nebst dem angrenzenden Hause Nr. 129, welches am Tage vor dem Hochwasser vom Kaminfeger Ignaz Kodym in Freiheit von der Gemeinde um 1251 fl gekauft wurde, vom Hochwasser weggerissen, sodass am andern Tage nicht eine Spur von beiden Gemeindehäusern zu finden war.


Walke

vom † Stadtsekretär Bernard Hampel

Walke Auf der Stelle des Hauses Nr. 16, auf der Kleinseite, besaß die Gemeinde eine Tuchwalke, durch einen Wassergraben aus dem Johannisbache betrieben. Das Häuschen selbst bestand nur aus einer Wohnstube und waren die Walken im Vorhaus untergebracht. Als die Erhaltungskosten dieser Walke mehr betrugen, als die Einnahmen ausmachten und in Freiheit die Zunft der Tuchmacher und Gerber im Niedergange sich befand, indem nur mehr der Tuchmacher Josef Wahl Nr. 110 und der Weißgerber Ignaz Rösler Nr. 126 lebten und ihren Beruf ausübten, so wurde im Jahre 1856 dieser Gemeindebesitz lizitatorisch an den Meistbietenden Johann Wahl, Müllermeister Nr. 93, um 1108,20 fl verkauft. Als Nachfolger im Besitze dieses Hauses erscheint der Bürger Franz Hübner Nr. 50, genannt "Schenkafsarber", welcher den baufälligen Holzbestand abtrug und den derzeitigen massiven Bestand erbaute. Der Besitzer benutzte die Wasserkraft zum Betriebe einer Holzdrechselei, verbunden mit einer Holzschindelerzeugung.

Im Jahre 1885 stellte Hübner eine fünfpferdekräftige Dampflokomobile auf. Dieselbe stand im Hofe unter einem offenen Schupfen und wurde meist mit Holzabfällen geheizt. Der Nachbarschaft wurde der Betrieb der Schindelmaschine durch den Lärm lästig, sowie durch Funkenflug gefährlich, sodass über wiederholte Beschwerden der Betrieb im Jahre 1889 zum Stillstand gebracht und die ehemaligen Arbeitsstätten aus Wohnungen umgebaut wurden.


Das Bad

Freiheit besaß auch eine Badestube in dem zum Bergstädtchen gehörenden Johannisbrunn. Diese Badestube wurde im Jahre 1714 dem ehr- und kunstreichen Bade- und Wunderarzt Joh. Michael Pußmann verkauft, mit der Vereinbarung, dass der Käufer berechtigt sei, ebenso wie seine Vorgänger, den Johannisbrunnen zu benutzen und die den Brunnen in Anspruch nehmenden Gäste zu bedienen. Im 16. Jahrhundert fanden alljährlich große Prozessionen zu dem "wunderbaren, heilkräftigen Brunnen" in Johannisbrunn statt, an welchen das Volk nicht nur aus der Umgebung, sondern auch aus Schlesien sich beteiligte.

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